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Vereinsprojekt braucht Geld – frag beim Spendenparlament

von Stefan Del Fabro
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«Als ich jung war dachte ich, dass Geld das Wichtigste im Leben ist. Nun da ich alt bin, weiss ich es.» Oscar Wilde hat es gesagt. Als Vereinsvorstand kennst du das Problem nur zu gut. Ein neues, wichtiges Vereinsprojekt braucht Geld – aber woher nehmen? Hast du schon einmal an Unterstützung beim Spendenparlament gedacht?  

Wie dein Verein beim Spendenparlament auf offene Ohren stösst

Spendenparlament Hamburg: „Wir haben auch schon handschriftlich eingereichte Anträge genehmigt.“

Wie geht das? Was tun die Spendenparlamente? Wo sind die? Wir haben Vertretern der Spendenparlamente in Zürich und Hamburg Fragen gestellt. Die Antworten kommen von Gerd Upadek, Hamburg und von Susanne Schürz, Zürich. 

Worauf soll jemand, der eine Eingabe macht, Acht geben?

Gerd Upadek, Hamburg: «Wenn jemand bei uns einen Antrag stellen möchte, sollte sie/er auf unserer Webseite nachlesen, ob das Anliegen zu unseren Förderkriterien passt.»

Susanne Schürz, Zürich: «Erstens: sich genau auf die Förderinstitution einlassen. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt, jede ihre eigenen Kriterien. Es wird (leider) nicht gehen, das man einen Antrag formuliert und den an viele verschiedene Förderer einsendet – im Gegenteil.

Zweitens: konkret sein. Wir erhalten immer wieder Förderanträge, wo wir uns fragen – was machen die eigentlich genau? Weil die Beschreibung sehr allgemein gehalten, sehr umschweifend geschrieben ist.»

Was meinen Sie damit?

Schürz, Zürich: «Uns ist wichtig zu verstehen, wo letztlich der „Impact“ erzeugt wird. Wo schafft das Projekt einen echten Mehrwert? Für den Abbau von Isolation, für Ausgrenzung, für Bekämpfung von Armut? Je konkreter dies beschrieben ist, desto Erfolgsversprechender.

Und Drittens: ein realistisches Budget haben. Hier unterstützen wir einige Projekte noch recht stark, bevor der Antrag ans Spendenparlament geht.

Sind die Annahmen realistisch? Gibt es neben uns noch andere Förderer? Ist man breit abgestützt, wenn auch mal ein Förderer ausfällt? Gibt es einen Plan B, falls man – siehe Pandemie – flexibel sein muss und ist dieser Ausweichplan finanziert?»

Wie vertieft müssen ein Antrag und/oder das Budget sein?

Schürz, Zürich: «Die Anträge müssen keine wissenschaftliche Arbeit sein. Aber der Finanzplan – und ist er noch so einfach – sollte solide sein. Hier achten wir stark darauf.»

Gibt es bei Ihnen Besonderheiten, die Antragssteller beachten müssen?

Upadek, Hamburg: «Wir fördern nur Projekte in Hamburg, von gemeinnützigen Organisationen. Die Projekte müssen sich gegen Armut, Obdachlosigkeit, Isolation richten. Dabei gibt es keine formalen Bedingungen für einen Antrag. Wir haben auch schon handschriftlich eingereichte Anträge bearbeitet und auch genehmigt. Allerdings: immer nach einer eingehenden Prüfung durch unsere Finanzkommission.»

Welche häufigen Fehler machen Eingeber? Was sollte unbedingt vermieden werden?

Schürz, Zürich: «Die meisten Anträge die wir ablehnen, beziehen sich auf das vorhin genannte: Die Eingaben gehen an den Statuten des Spendenparlaments vorbei.»

Upadek, Hamburg: «Der häufigste Fehler ist das Nicht-Beachten unserer Kriterien; häufig kommt es auch vor, dass die Nachhaltigkeit (finanziell und/oder inhaltlich) nicht erkennbar ist. In solchen Fällen wird der Antrag ohne weitere Bearbeitung abgelehnt.»

Schürz, Zürich: «Man merkt sofort, wenn sich der Antragsteller nicht mit uns auseinandergesetzt hat. Was nicht unseren Förderkriterien entspricht, können wir natürlich auch nicht fördern.

Manche Antragsteller haben es zudem schwer, wenn sie eine grosse Institution im Rücken haben. Hier wird oftmals nicht deutlich, dass zwar ein finanzstarkes „Mutterhaus“ im Hintergrund ist, allerdings keine Gelder fliessen. Dies argumentativ zu verorten fällt, das merken wir, diesen Antragstellern oft nicht einfach.»

Wie stark achten Sie auf den Fokus eines Projektes?

Schürz, Zürich: «Viele Projekte sind durchdacht, sicher eine gute Sache. Der Impact oder die Hebelwirkung für unsere Gesellschaft ist dann aber doch zu gering. Hier fördern wir dann lieber Projekte, die mit weniger Budget mehr erreichen.»

Gerd Upadek, Hamburg und Susanne Schürz, Zürich.

Wir bedanken uns für die Antworten. Für das Spendenparlament Hamburg gab uns Gert Upadek, Leiter der Finanzkommission, Auskunft. Vom Spendenparlament Zürich hat Susanne Schürz unsere Fragen beantwortet. Vielen Dank dafür. 

Zürich, Basel, Graz und 16x in Deutschland

In der Schweiz gibt es zwei Spendenparlamente. Eines in Zürich, das andere in Basel. In Deutschland gibt es 16 solcher Parlamente – HIER ist der Link zur Übersicht.

Das erste und damit älteste wurde 1996 in Hamburg gegründet. Seither hat Hamburg (Stand 2019) rund 1’350 Projekte gegen Obdachlosigkeit, Armut und Isolation mit mehr als 13 Millionen Euro unterstützt.

In Österreich sind wir in der Steiermark fündig geworden. Und in Wien scheint es zumindest mal eines gegeben zu haben. Aber da versanden unsere Anfragen in den unendlichen Weiten des Internets…

Die eingereichten Projekte werden geprüft

Nach der Prüfung wird entschieden, welche Projekte den Kriterien genügen und zur Debatte vorgeschlagen werden. Wird ein Projekt unterstützt, wird das Geld ausbezahlt, sobald die gesamte Finanzierung des Projekts gesichert ist. 

Der Ablauf: Die Projektleitenden stellen sich und ihr Projekt vor. Je nach Inhalt des Projekts erfolgt eine Einladung, an der nächsten Parlamentssitzung ein Rahmenprogramm zu gestalten. So können die SpenderInnen nachvollziehen, wie ihr Geld eingesetzt wurde und wie sich das Projekt entwickelt hat.

Und welche Erfahrung machst du?

Ist dein Verein auf Geldsuche? Es gibt weitere Finanzhebel. Klick dich in unsere „Vereinsprojekt braucht Geld“-Serie:

Welche Erfahrungen hast du mit einem Spendenparlament gemacht? Hast du Inputs für andere? Danke für deinen Kommentar.

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