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Der Plan: Wie wir einen Vorstand sauber versenken

von Webling
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Ironie-Hinweis: Dieser Text ist Satire, keine Empfehlung. Er beschreibt in der Wir-Form fünf Muster toxischer Vorstandsarbeit, so wie sie in vielen Vereinen tatsächlich vorkommen, damit du sie im eigenen Vorstand wiedererkennst, statt sie nachzumachen.

Einen Vorstand versenken wir nicht mit einem großen Knall. Kein Skandal, keine Kassenlücke, kein Aktenkoffer voller Bargeld unterm Tisch, so etwas hinterlässt Spuren.

Wir arbeiten sauberer: fünf Manöver, methodisch ausgeführt, dann liegt eines Tages mitten in der Amtsperiode eine Kündigung auf dem Tisch, und alle tun so, als hätte das niemand kommen sehen.

Kein Zeuge, kein Beweis, nur Gewohnheit. Hier der Plan, Schritt für Schritt. Fangen wir an.

Kurz zur Vorstellung, bevor es losgeht. Du bist gerade erst gewählt worden, die Tinte auf dem Protokoll ist noch feucht. Ich komme aus einem anderen Verein, einem alten, du musst nicht wissen, warum ich dort nicht mehr bin. Ich bringe die Erfahrung mit, du das Lächeln, das niemand durchschaut. Zusammen sind wir, ehrlich gesagt, schon jetzt ziemlich gut in dem, was jetzt kommt.

Schritt 1: Wir töten Ideen, schnell oder langsam, ganz wie es passt

Eine Idee zu töten ist eine Frage der Lage, nicht der Härte. Manchmal muss es sofort passieren, mitten im Raum, manchmal reicht es, geduldig zu warten, bis die Idee von selbst aufhört zu atmen. Wir beherrschen beide Varianten.

Der schnelle Tod

Wenn jemand eine Idee mit glänzenden Augen bringt und wir keine Zeit für Geduld haben, ziehen wir die erste Verteidigungslinie. Ich tausche zuerst einen kurzen Blick mit dir, unseren Blick, den du schneller gelernt hast, als mir lieb ist, der schon alles sagt, na, mal sehen, und feuere dann drei Einwände hintereinander ab, noch bevor der Satz richtig zu Ende ist: kein Geld, keine Zeit, keine Leute. Du schiebst die entscheidende Frage nach, „Wer soll das denn konkret machen?“, mit genau dem Tonfall, der die Antwort schon mitliefert: du bestimmt nicht.

Für die Idee, die diese erste Welle übersteht, gibt es die zweite Verteidigungslinie, hausgemacht: whataboutism. „Und was ist eigentlich mit dem Vorschlag von letztem Jahr, der bis heute liegen geblieben ist?“ Sofort diskutiert der ganze Vorstand über eine alte Ungerechtigkeit statt über die neue Idee.

Ganz Hartnäckige bekommen die dritte Stufe. Wir wiederholen die Idee wortwörtlich, nur eine Idee langsamer und mit einem kleinen Lachen dazwischen, „also, wenn ich dich richtig verstehe“, bis sie sich selbst albern anhört. In die Stille danach sagen wir „gute Idee, aber“ und wechseln im gleichen Atemzug zum nächsten Traktandum.

Nach zwei Minuten steht die Sitzung schon beim nächsten Thema, die Idee liegt tot im Raum, ohne dass irgendwer sie offiziell abgelehnt hätte. Kein Protokolleintrag, kein Beweis, nur ein kurzes Gefühl von Beschämung, das länger hängen bleibt als die Idee selbst.

Der langsame Tod

Manchmal ist Tempo der falsche Stil, zum Beispiel wenn zu viele Zeugen dabei sind, die den schnellen Tod sofort erkennen würden. Dann verhungern wir stattdessen, sauber und über Wochen gestreckt.

Die Idee kommt mit einem einzigen dürren Satz ins Protokoll, danach rühren wir das Thema nie wieder an. Wer hartnäckiger ist, bekommt die nächste Stufe: ein schriftliches Konzept, mit Kostenschätzung, versteht sich, zum Nachlesen für alle. Das Konzept kommt, meistens gut gemacht, und landet ungelesen unter dem Kassenbericht.

Wenn das nicht reicht, verweisen wir auf eine Arbeitsgruppe, die wir bei Gelegenheit noch gründen, und bei Gelegenheit heißt hier: nie. Wer doch einmal nachfragt, bekommt ein beiläufiges „kommt noch dran“ zu hören, oder wir loben die Idee noch einmal ausführlich, das fühlt sich fast wie ein Ja an und zieht trotzdem keine einzige Konsequenz nach sich.

Nach einem Jahr liegt ein ganzer Ordner voller Ideen, die offiziell nie jemand abgelehnt hat und die innerlich längst verrottet sind, ein sauberes, lückenloses Archiv des Nichtstuns. Niemand muss sich rechtfertigen, das Verhungern erledigt sich von selbst, und unsere Fingerabdrücke sind nirgends drauf.

Schnell oder langsam, das Ergebnis ist dasselbe: keine Idee, keine Schuld, kein Nachweis.

Schritt 2: Wir entscheiden vorher, im kleinen Kreis, und die Sitzung ist nur noch Show

Echte Macht sitzt nicht am Sitzungstisch, sie sitzt am Vorabend in einer WhatsApp-Gruppe mit drei von fünf Namen drin. So eine Gruppe habe ich schon in meinem alten Verein gegründet, hier musste ich sie nur neu aufsetzen. Du bist heute dazugekommen, das war dein Aufnahmeritual. Dort fällt die eigentliche Entscheidung, in Ruhe, ohne Widerspruch, ohne Protokoll.

In der offiziellen Sitzung nicken wir dann nur noch ab. Kommt trotzdem eine Gegenstimme, kontern wir mit „das haben wir schon besprochen“, ein Satz, der niemandem gehört, der nicht in der Gruppe war, und genau das ist der Punkt.

Wer nicht dazugehört, merkt das nie direkt, nur am Tonfall, an den Blicken, die sich zwei von uns beim Reden zuwerfen. Auf der Heimfahrt, zu dritt im selben Auto, reden wir dann offen über die Person, die eben noch am Tisch saß, das ist keine Bosheit, das ist einfach der Ort, wo die wirklichen Gespräche stattfinden.

So entstehen zwei Vorstände in einem: einer, der entscheidet, und einer, der nur noch zuhören darf, ohne es zu wissen.

Schritt 3: Wir reden in Visionen, während alle nur den Schlüsselplan sehen wollen

In jeder Vorstandssitzung gibt es zwei Ebenen. Die eine fragt: Wohin soll der Verein in fünf Jahren? Die andere fragt: Wer holt am Samstag den Schlüssel fürs Vereinsheim? Beide Fragen sind berechtigt, aber sie verlangen jeweils die passende Antwort, und genau die verweigern wir.

Einer von uns steht am Flipchart und malt Pfeile für die große Vision, der andere nickt ernst dazu, während am Tischende die Kassiererin auf die Uhr schaut, weil um acht der Fußball anfängt.

Fragt die Vorstandskollegin zum dritten Mal nach dem Schlüssel, eine reine Ebene-zwei-Frage, übernimmst du, dein Spezialgebiet, obwohl du erst eine einzige Sitzung Erfahrung hast: ein Satz über „strategische Leitplanken“, auswendig gelernt, druckreif, eine Antwort von Ebene eins. Die Ebene wechseln wir nie, komme, was wolle, auch wenn der Kaffee neben uns kalt wird und die halbe Runde die Augenbrauen hochzieht.

Wenn wir das sauber durchhalten, hört uns irgendwann keiner mehr richtig zu, so wie man ein Funkgerät irgendwann abstellt, das dauerhaft auf der falschen Frequenz sendet. Die Kommunikation verhungert leise, ohne dass ein böses Wort fällt, und niemand kann uns beiden die Schuld geben.

Schritt 4: Wir reden jede Kritik klein, sobald sie brenzlig wird

Wenn bei der Mitgliederversammlung jemand aufsteht und den Umgangston im Vorstand beklagt, übernehmen wir unsere eingespielten Rollen: Du lächelst honigsüß, das kann niemand so gut wie du, und ich schiebe die Sache auf eine einzelne Person und einen einzelnen Vorfall, ruhig, sachlich, mit der Übung aus einem Verein, der das nicht überlebt hat.

Der Trick heißt Ebenen-Verschiebung, dieselbe Technik wie in Schritt drei, nur umgekehrt eingesetzt. Eine Sachfrage, zum Beispiel ob der Umgangston im Vorstand in Ordnung ist, erklären wir zur reinen Beziehungsfrage zwischen zwei Personen, dann muss sich der Rest von uns nicht mehr damit befassen.

Gemeinsam servieren wir Sätze wie „das war doch nur ein Missverständnis“ oder „das betrifft ja nicht den ganzen Vorstand“. Die Frage, ob an der Kritik etwas dran sein könnte, stellen wir uns gar nicht erst, das würde nur zu Veränderung zwingen, und Veränderung war nie Teil unseres Plans.

Bei der nächsten Beschwerde spielen wir dieselbe Platte noch einmal ab, im Duett, ohne zu stolpern. Irgendwann glaubt uns keiner mehr ein Wort, aber bis dahin haben wir uns beiden jede Menge unangenehme Selbstprüfung erspart.

Schritt 5: Wir fragen erst nach dem Befinden, wenn die Kündigung schon unterschrieben ist

Die Frage „Wie geht es dir eigentlich im Vorstand?“ stellen wir frühestens bei der Verabschiedung, mit Kaffee und Kuchen und einem Geschenkgutschein in der Hand.

Vorher fehlt uns beiden dafür die Zeit, es gibt ja die Traktandenliste, und die ist uns wichtiger als das Befinden der eigenen Leute.

Hinterher schreiben wir gemeinsam eine warme Mail, bedanken uns blumig und geloben Besserung, das klingt aufrichtig und kommt trotzdem eine Amtsperiode zu spät. Die Einladung, sich jederzeit zu melden, geht jetzt an alle, die noch übrig sind, unterschrieben von uns beiden, sauber und ohne Reue.

Danach heben wir kurz die Kaffeetassen, so wie ich es früher schon gemacht habe, in einem anderen Vorstand, an einem anderen Tisch. Du hast in wenigen Wochen mehr gelernt als manche in Jahren, sage ich, und meine es sogar so. Erfahrung gegen Talent, das ergänzt sich, wie immer.

Fünf Schritte, keine böse Absicht nötig, sauber und methodisch bis zum letzten Manöver, und am Ende sieht das Ergebnis genauso aus wie echte Sabotage.

Wenn wir keinen versenkten Vorstand wollen, machen wir in jedem Schritt einfach das Gegenteil, gemeinsam.

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